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		<title><![CDATA[Autismus-Selbsthilfe & Info-Forum  - Neurologische Vielfalt]]></title>
		<link>https://www.autism4all.at/</link>
		<description><![CDATA[Autismus-Selbsthilfe & Info-Forum  - https://www.autism4all.at]]></description>
		<pubDate>Sat, 29 Aug 2026 07:21:13 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[Was Autismus ist und was Autismus nicht ist]]></title>
			<link>https://www.autism4all.at/showthread.php?tid=189</link>
			<pubDate>Wed, 06 Jul 2022 05:35:47 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.autism4all.at/member.php?action=profile&uid=1">Andi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.autism4all.at/showthread.php?tid=189</guid>
			<description><![CDATA[Im Internet und auch in der Wissenschaft schwirren viele sehr unterschiedliche Vorstellungen und Definitionen von Autismus herum. Hier möchte ich mit einigen Mythen, Irrtümern und Vorurteilen aufräumen.<br />
<br />
<br />
Autismus ist keine Krankheit.<br />
<br />
Autismus ist eine Art zu sein, eine Wesensart, ein Naturell.<br />
<br />
Autismus ist nicht psychisch bedingt.<br />
Autistische Menschen sind eben so. Heute wird dieses So-Sein meist damit erklärt, dass das Gehirn autistischer Menschen anders ist als das nicht-autistischer, also ein alternatives Gehirndesign, eine ungewöhnliche neurologische Verdrahtung, eine andere Art der Wahrnehmungsverarbeitung. Aus dieser Sichtweise stammt auch das Konzept der neurologischen Vielfalt: keine zwei Gehirne sind gleich und Autismus ist ein Teil dieser Vielfalt.<br />
<br />
Menschen im Autismus-Spektrum sind nicht alle gleich.<br />
<br />
Nicht-autistische Menschen sind unterschiedlich und individuell, warum sollten autistische Menschen alle gleich sein? Autismus ist eine breites Spektrum unterschiedlicher Fähigkeiten, Lebensweisen, Weltanschauungen etc. Manche meinen, dass autistische Menschen untereinander unterschiedlicher sind als nicht-autistische Menschen, weil sie weniger dem sozialen Gruppendruck folgen, der eine bestimmte Anpassung fordert.<br />
<br />
Asperger-Syndrom und Autismus sind nicht klar voneinander abgrenzbar.<br />
All die Menschen, die eine Diagnose aus dem Autismus-Spektrum haben (frühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom, High-Functioning-Autismus, atypischer Autismus…) sind viel zu unterschiedlich, als dass man sie in zwei (oder drei oder vier) Kategorien einteilen könnte. Oder genauer gesagt: Man kann es schon. Man nimmt ein beliebiges Kriterium, z.B. die Punktezahl bei einem IQ-Test. Eine Person mit 80 IQ-Punkten gilt als high-functioning, eine mit 79 Punkten als low-functioning. Oder Sprache: ein Kind, das mit zwei Jahren spricht, bekommt die Diagnose Asperger-Syndrom, und eines, das mit drei Jahren zu sprechen beginnt, bekommt die Diagnose frühkindlicher Autismus. (Siehe dazu auch: „Asperger-Syndrom und High-Functioning-Autismus: Gibt es einen Unterschied?„.)<br />
Aber welche Relevanz haben diese Kriterien? Heute wird Autismus meist als ein nahtloses Kontinuum betrachtet, und möglicherweise werden die unterschiedlichen Kategorien in einigen Jahren in den Diagnosehandbüchern ersetzt durch eine Diagnose Autismus-Spektrum.<br />
<br />
Autismus ist nicht die Folge von emotionaler Vernachlässigung, emotionalem Stress, Missbrauch, Traumata oder Kühlschrankmüttern.<br />
Die Theorie, dass Autismus durch kalte, unemotionale Mütter verursacht würde, entstand in den 50er Jahren, als Müttern standardmäßig die Schuld daran zugeschoben wurde, wenn ihre Kinder nicht so waren, wie die Gesellschaft das wünschte. Heute weiß man: Ein nicht-autistisches Kind kann man so gut erziehen, wie man will, es wird nie autistisch werden 😉<br />
<br />
Autismus ist nicht selten.<br />
Neuere Studien rechnen mehr als ein Prozent der Menschen zum Autismus-Spektrum.<br />
<br />
Autismus betrifft nicht nur Kinder.<br />
Autistische Kinder verschwinden nicht plötzlich, wenn sie 18 werden. Aus autistischen Kindern werden autistische Erwachsene.<br />
<br />
Es gibt keine normale Person in einer autistischen Glaskugel.<br />
Autismus ist nicht trennbar von der Persönlichkeit eines autistischen Menschen. Autismus färbt jede Wahrnehmung. Autismus beeinflusst, wie jemand denkt, fühlt, versteht, reagiert und interagiert. Zu wünschen, der Autismus würde verschwinden bedeutet, zu wünschen, die Person wäre jemand anderes.<br />
<br />
Autismus ist nicht heilbar.<br />
Autismus ist nicht heilbar, weil:<br />
<br />
Autismus keine Krankheit ist.<br />
Selbst wenn Autismus eine Krankheit wäre, gäbe es (auf absehbare Zeit) kein Verfahren, Autismus verschwinden zu lassen.<br />
Selbst wenn dies möglich wäre, würden die meisten Menschen im Autismus-Spektrum überhaupt nicht geheilt werden wollen, weil Autismus ein inhärenter Teil ihrer Persönlichkeit ist und eine Heilung von Autismus die Auslöschung ihrer Persönlichkeit bedeuten würde.<br />
Autismus ist keine Tragödie.<br />
Oft wird Autismus negativ gesehen, besonders bei Autist_innen, die keine Lautsprache verwenden. Vielleicht liegt es daran, dass diese sich nicht selbst dazu äußern können. Es gibt jedoch viele, die erst mit sechs oder auch erst mit zwölf Jahren zu sprechen anfingen und klare Erinnerungen an die Zeit haben, in der sie nicht sprachen; und sie sehen diese Zeit oft neutral bis positiv.<br />
<br />
Obwohl Menschen im Autismus-Spektrum in dieser Gesellschaft im Prinzip in einer feindlichen Umgebung leben (reizüberflutend, oft unverständlich, ungeduldig und allgemein auf nicht-autistische Menschen ausgerichtet) und Autismus ständig pathologisiert wird, sehen viele von ihnen Autismus positiv. Viele Autistinnen und Autisten sind gerne autistisch und würden nicht geheilt werden wollen. Man kann autistisch und glücklich sein.<br />
<br />
<br />
Autismus ist kein neues Phänomen.<br />
Autismus gab es vermutlich schon immer, aber früher wurden Menschen nicht in psychiatrische Kategorien eingeteilt. Die erste detaillierte Beschreibung eines Kindes, dass wir heute als autistisch bezeichnen würde, wurde 1799 von Jean Itard geschrieben (der wilde Junge von Aveyron).<br />
<br />
Autismus bedeutet nicht, nicht sprechen zu können.<br />
Die meisten Menschen im Autismus-Spektrum verwenden zumindest hin und wieder Lautsprache; einige reden sehr, sehr viel. Kinder, die mit Asperger diagnostiziert werden, fangen im üblichen Alter an zu sprechen. Andere fangen mit drei Jahren an zu sprechen, wieder andere erst mit zwölf, und wieder andere sprechen nie, sondern kommunizieren z.B. über Bilder, Gebärdensprache oder Computer.<br />
<br />
Wenn eine autistische Person sprechen lernt, heißt das nicht, dass sie nicht mehr autistisch ist.<br />
Obwohl es hin und wieder als Wunderheilung verkauft wird, fangen viele Autist_innen irgendwann an zu sprechen – ganz ohne Therapie. Das heißt nicht unbedingt, dass sie irgendwann Durchschnittsmenschen werden – aber davon gibt es ja wirklich schon genug.<br />
<br />
<br />
Autismus sieht man den betreffenden Personen nicht an.<br />
Autistische Menschen sehen aus wie andere Menschen auch. Du würdest eine autistische Person wahrscheinlich nicht als autistisch erkennen, wenn du einer begegnen würdest.<br />
<br />
Autismus ist keine geistige Behinderung.<br />
Es gibt viele sehr intelligente Autistinnen und Autisten. Auch nicht-sprechende Menschen im Autismus-Spektrum sind häufig intelligent.<br />
<br />
Autismus bedeutet nicht Hochbegabung.<br />
Vermutlich ist die Intelligenzverteilung im Autismus-Spektrum gleich wie bei nicht-autistischen Menschen: einige lernen sehr schnell und andere brauchen etwas länger. Jede_r hat seine individuellen Begabungen und Schwächen.<br />
<br />
Autismus bedeutet nicht, ein spezielles Talent wie Rainman zu haben.<br />
Savants sind Menschen, die eine extrem ungewöhnliche Begabung habe, z.B. enorme Gedächtnisleistungen. Das ist sehr selten. Einige wenige autistische Menschen haben so ungewöhnliche Fähigkeiten, dass sie als Savants bezeichnet werden. Viele andere nicht. Es gibt auch nicht-autistische Savants, auch wenn es im Autismus-Spektrum überdurchschnittlich viele davon zu geben scheint. Viele Menschen im Autismus-Spektrum haben herausragende Fähigkeiten, die aber weniger spektakulär sind.<br />
<br />
<br />
Autismus bedeutet nicht eine generelle Ablehnung sozialer Kontakte.<br />
Viele autistische Menschen wollen gern Kontakt zu anderen, wissen aber nicht, was eine sozial angemessene Art der Kontaktaufnahme sein könnte. Andere autistische Menschen wollen keinen Kontakt zu anderen Menschen. Wie alle Menschen wollen auch Autist_innen selbst auswählen, mit wem sie wann wie ihre Zeit verbringen, und wann sie lieber allein sind.<br />
<br />
Autismus bedeutet nicht, nicht beschulbar zu sein.<br />
Autistische Menschen lernen. Weil sie anders lernen als andere Menschen und die Schulen auf nicht-autistische Menschen ausgerichtet sind, brauchen oder bräuchten sie oft eine angepasste Lernumgebung, um ihr Potential entfalten zu können. Nichtsdestotrotz sind die meisten Kinder und Jugendlichen im Autismus-Spektrum an Regelschulen und oft nicht als solche etikettiert.<br />
<br />
Autismus bedeutet nicht, kein selbständiges Leben führen zu können.<br />
Manche Menschen im Autismus-Spektrum brauchen viel Unterstützung von anderen, andere leben gänzlich ohne spezielle Unterstützung.<br />
Man sollte außerdem bedenken: Jeder Mensch braucht in irgendeiner Form Unterstützung von anderen Menschen. Niemand von uns lebt als Robinson Crusoe. Wichtig ist, dass auch Menschen, die Unterstützung irgendeiner Art brauchen, selbstbestimmt leben können.<br />
<br />
<br />
<br />
Autismus bedeutet nicht, keine Gefühle zu haben.<br />
Autistische Menschen haben Gefühle für andere Menschen, auch wenn man ihnen diese nicht unbedingt anmerkt. Es gibt auch viele Menschen im Autismus-Spektrum, die zufriedene Freundschaften, Partnerschaften und Familien haben – so richtig mit Gefühl.<br />
<br />
Autismus bedeutet nicht, keine Phantasie zu haben.<br />
Einige Menschen im Autismus-Spektrum haben eine lebhafte, kreative und einzigartige Phantasie, andere sind völlig phantasielos. Wie andere Menschen auch. Das Klischee, dass Autist_innen keine Phantasie hätten, kam auf, weil sie Forscher_innen zum Ergebnis kamen, dass Autist_innen es schwierig finden, sich soziale Situationen vorzustellen und abzuschätzen, was als nächstes passieren könnte.<br />
<br />
Nicht alle Menschen im Autismus-Spektrum denken in Bildern.<br />
Während einige Personen im Autismus-Spektrum sehr stark visuell denken (viele bildende Künstler_innen, aber auch Ingenieur_innen tun dies), gibt es andere, die das nicht tun. Andere, wie z.B. Donna Williams, sind akustisch orientiert, d.h. auf Worte und Musik.<br />
<br />
Nicht alle Menschen im Autismus-Spektrum mögen Zahlen und Mathematik.<br />
Es gibt autistische Menschen, die große Mathemathiker sind (Richard Borcherds, Professor an der Unversität Berkeley und Preisträger der Fields-Medaille ist einer von ihnen). Aber es gibt auch viele Menschen im Autismus-Spektrum, die Mathe überhaupt nicht mögen und in der Schule große Schwierigkeiten damit haben.<br />
<br />
<a href="https://autismus-kultur.de/autismus-mythen/?fbclid=IwAR3ytsgea-nxxyEMxmTPAwl9nNUkFKu1aNsYohoho8MNuGqtwCeiaLYKb8I" rel="noopener" class="mycode_url">Quelle</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Im Internet und auch in der Wissenschaft schwirren viele sehr unterschiedliche Vorstellungen und Definitionen von Autismus herum. Hier möchte ich mit einigen Mythen, Irrtümern und Vorurteilen aufräumen.<br />
<br />
<br />
Autismus ist keine Krankheit.<br />
<br />
Autismus ist eine Art zu sein, eine Wesensart, ein Naturell.<br />
<br />
Autismus ist nicht psychisch bedingt.<br />
Autistische Menschen sind eben so. Heute wird dieses So-Sein meist damit erklärt, dass das Gehirn autistischer Menschen anders ist als das nicht-autistischer, also ein alternatives Gehirndesign, eine ungewöhnliche neurologische Verdrahtung, eine andere Art der Wahrnehmungsverarbeitung. Aus dieser Sichtweise stammt auch das Konzept der neurologischen Vielfalt: keine zwei Gehirne sind gleich und Autismus ist ein Teil dieser Vielfalt.<br />
<br />
Menschen im Autismus-Spektrum sind nicht alle gleich.<br />
<br />
Nicht-autistische Menschen sind unterschiedlich und individuell, warum sollten autistische Menschen alle gleich sein? Autismus ist eine breites Spektrum unterschiedlicher Fähigkeiten, Lebensweisen, Weltanschauungen etc. Manche meinen, dass autistische Menschen untereinander unterschiedlicher sind als nicht-autistische Menschen, weil sie weniger dem sozialen Gruppendruck folgen, der eine bestimmte Anpassung fordert.<br />
<br />
Asperger-Syndrom und Autismus sind nicht klar voneinander abgrenzbar.<br />
All die Menschen, die eine Diagnose aus dem Autismus-Spektrum haben (frühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom, High-Functioning-Autismus, atypischer Autismus…) sind viel zu unterschiedlich, als dass man sie in zwei (oder drei oder vier) Kategorien einteilen könnte. Oder genauer gesagt: Man kann es schon. Man nimmt ein beliebiges Kriterium, z.B. die Punktezahl bei einem IQ-Test. Eine Person mit 80 IQ-Punkten gilt als high-functioning, eine mit 79 Punkten als low-functioning. Oder Sprache: ein Kind, das mit zwei Jahren spricht, bekommt die Diagnose Asperger-Syndrom, und eines, das mit drei Jahren zu sprechen beginnt, bekommt die Diagnose frühkindlicher Autismus. (Siehe dazu auch: „Asperger-Syndrom und High-Functioning-Autismus: Gibt es einen Unterschied?„.)<br />
Aber welche Relevanz haben diese Kriterien? Heute wird Autismus meist als ein nahtloses Kontinuum betrachtet, und möglicherweise werden die unterschiedlichen Kategorien in einigen Jahren in den Diagnosehandbüchern ersetzt durch eine Diagnose Autismus-Spektrum.<br />
<br />
Autismus ist nicht die Folge von emotionaler Vernachlässigung, emotionalem Stress, Missbrauch, Traumata oder Kühlschrankmüttern.<br />
Die Theorie, dass Autismus durch kalte, unemotionale Mütter verursacht würde, entstand in den 50er Jahren, als Müttern standardmäßig die Schuld daran zugeschoben wurde, wenn ihre Kinder nicht so waren, wie die Gesellschaft das wünschte. Heute weiß man: Ein nicht-autistisches Kind kann man so gut erziehen, wie man will, es wird nie autistisch werden 😉<br />
<br />
Autismus ist nicht selten.<br />
Neuere Studien rechnen mehr als ein Prozent der Menschen zum Autismus-Spektrum.<br />
<br />
Autismus betrifft nicht nur Kinder.<br />
Autistische Kinder verschwinden nicht plötzlich, wenn sie 18 werden. Aus autistischen Kindern werden autistische Erwachsene.<br />
<br />
Es gibt keine normale Person in einer autistischen Glaskugel.<br />
Autismus ist nicht trennbar von der Persönlichkeit eines autistischen Menschen. Autismus färbt jede Wahrnehmung. Autismus beeinflusst, wie jemand denkt, fühlt, versteht, reagiert und interagiert. Zu wünschen, der Autismus würde verschwinden bedeutet, zu wünschen, die Person wäre jemand anderes.<br />
<br />
Autismus ist nicht heilbar.<br />
Autismus ist nicht heilbar, weil:<br />
<br />
Autismus keine Krankheit ist.<br />
Selbst wenn Autismus eine Krankheit wäre, gäbe es (auf absehbare Zeit) kein Verfahren, Autismus verschwinden zu lassen.<br />
Selbst wenn dies möglich wäre, würden die meisten Menschen im Autismus-Spektrum überhaupt nicht geheilt werden wollen, weil Autismus ein inhärenter Teil ihrer Persönlichkeit ist und eine Heilung von Autismus die Auslöschung ihrer Persönlichkeit bedeuten würde.<br />
Autismus ist keine Tragödie.<br />
Oft wird Autismus negativ gesehen, besonders bei Autist_innen, die keine Lautsprache verwenden. Vielleicht liegt es daran, dass diese sich nicht selbst dazu äußern können. Es gibt jedoch viele, die erst mit sechs oder auch erst mit zwölf Jahren zu sprechen anfingen und klare Erinnerungen an die Zeit haben, in der sie nicht sprachen; und sie sehen diese Zeit oft neutral bis positiv.<br />
<br />
Obwohl Menschen im Autismus-Spektrum in dieser Gesellschaft im Prinzip in einer feindlichen Umgebung leben (reizüberflutend, oft unverständlich, ungeduldig und allgemein auf nicht-autistische Menschen ausgerichtet) und Autismus ständig pathologisiert wird, sehen viele von ihnen Autismus positiv. Viele Autistinnen und Autisten sind gerne autistisch und würden nicht geheilt werden wollen. Man kann autistisch und glücklich sein.<br />
<br />
<br />
Autismus ist kein neues Phänomen.<br />
Autismus gab es vermutlich schon immer, aber früher wurden Menschen nicht in psychiatrische Kategorien eingeteilt. Die erste detaillierte Beschreibung eines Kindes, dass wir heute als autistisch bezeichnen würde, wurde 1799 von Jean Itard geschrieben (der wilde Junge von Aveyron).<br />
<br />
Autismus bedeutet nicht, nicht sprechen zu können.<br />
Die meisten Menschen im Autismus-Spektrum verwenden zumindest hin und wieder Lautsprache; einige reden sehr, sehr viel. Kinder, die mit Asperger diagnostiziert werden, fangen im üblichen Alter an zu sprechen. Andere fangen mit drei Jahren an zu sprechen, wieder andere erst mit zwölf, und wieder andere sprechen nie, sondern kommunizieren z.B. über Bilder, Gebärdensprache oder Computer.<br />
<br />
Wenn eine autistische Person sprechen lernt, heißt das nicht, dass sie nicht mehr autistisch ist.<br />
Obwohl es hin und wieder als Wunderheilung verkauft wird, fangen viele Autist_innen irgendwann an zu sprechen – ganz ohne Therapie. Das heißt nicht unbedingt, dass sie irgendwann Durchschnittsmenschen werden – aber davon gibt es ja wirklich schon genug.<br />
<br />
<br />
Autismus sieht man den betreffenden Personen nicht an.<br />
Autistische Menschen sehen aus wie andere Menschen auch. Du würdest eine autistische Person wahrscheinlich nicht als autistisch erkennen, wenn du einer begegnen würdest.<br />
<br />
Autismus ist keine geistige Behinderung.<br />
Es gibt viele sehr intelligente Autistinnen und Autisten. Auch nicht-sprechende Menschen im Autismus-Spektrum sind häufig intelligent.<br />
<br />
Autismus bedeutet nicht Hochbegabung.<br />
Vermutlich ist die Intelligenzverteilung im Autismus-Spektrum gleich wie bei nicht-autistischen Menschen: einige lernen sehr schnell und andere brauchen etwas länger. Jede_r hat seine individuellen Begabungen und Schwächen.<br />
<br />
Autismus bedeutet nicht, ein spezielles Talent wie Rainman zu haben.<br />
Savants sind Menschen, die eine extrem ungewöhnliche Begabung habe, z.B. enorme Gedächtnisleistungen. Das ist sehr selten. Einige wenige autistische Menschen haben so ungewöhnliche Fähigkeiten, dass sie als Savants bezeichnet werden. Viele andere nicht. Es gibt auch nicht-autistische Savants, auch wenn es im Autismus-Spektrum überdurchschnittlich viele davon zu geben scheint. Viele Menschen im Autismus-Spektrum haben herausragende Fähigkeiten, die aber weniger spektakulär sind.<br />
<br />
<br />
Autismus bedeutet nicht eine generelle Ablehnung sozialer Kontakte.<br />
Viele autistische Menschen wollen gern Kontakt zu anderen, wissen aber nicht, was eine sozial angemessene Art der Kontaktaufnahme sein könnte. Andere autistische Menschen wollen keinen Kontakt zu anderen Menschen. Wie alle Menschen wollen auch Autist_innen selbst auswählen, mit wem sie wann wie ihre Zeit verbringen, und wann sie lieber allein sind.<br />
<br />
Autismus bedeutet nicht, nicht beschulbar zu sein.<br />
Autistische Menschen lernen. Weil sie anders lernen als andere Menschen und die Schulen auf nicht-autistische Menschen ausgerichtet sind, brauchen oder bräuchten sie oft eine angepasste Lernumgebung, um ihr Potential entfalten zu können. Nichtsdestotrotz sind die meisten Kinder und Jugendlichen im Autismus-Spektrum an Regelschulen und oft nicht als solche etikettiert.<br />
<br />
Autismus bedeutet nicht, kein selbständiges Leben führen zu können.<br />
Manche Menschen im Autismus-Spektrum brauchen viel Unterstützung von anderen, andere leben gänzlich ohne spezielle Unterstützung.<br />
Man sollte außerdem bedenken: Jeder Mensch braucht in irgendeiner Form Unterstützung von anderen Menschen. Niemand von uns lebt als Robinson Crusoe. Wichtig ist, dass auch Menschen, die Unterstützung irgendeiner Art brauchen, selbstbestimmt leben können.<br />
<br />
<br />
<br />
Autismus bedeutet nicht, keine Gefühle zu haben.<br />
Autistische Menschen haben Gefühle für andere Menschen, auch wenn man ihnen diese nicht unbedingt anmerkt. Es gibt auch viele Menschen im Autismus-Spektrum, die zufriedene Freundschaften, Partnerschaften und Familien haben – so richtig mit Gefühl.<br />
<br />
Autismus bedeutet nicht, keine Phantasie zu haben.<br />
Einige Menschen im Autismus-Spektrum haben eine lebhafte, kreative und einzigartige Phantasie, andere sind völlig phantasielos. Wie andere Menschen auch. Das Klischee, dass Autist_innen keine Phantasie hätten, kam auf, weil sie Forscher_innen zum Ergebnis kamen, dass Autist_innen es schwierig finden, sich soziale Situationen vorzustellen und abzuschätzen, was als nächstes passieren könnte.<br />
<br />
Nicht alle Menschen im Autismus-Spektrum denken in Bildern.<br />
Während einige Personen im Autismus-Spektrum sehr stark visuell denken (viele bildende Künstler_innen, aber auch Ingenieur_innen tun dies), gibt es andere, die das nicht tun. Andere, wie z.B. Donna Williams, sind akustisch orientiert, d.h. auf Worte und Musik.<br />
<br />
Nicht alle Menschen im Autismus-Spektrum mögen Zahlen und Mathematik.<br />
Es gibt autistische Menschen, die große Mathemathiker sind (Richard Borcherds, Professor an der Unversität Berkeley und Preisträger der Fields-Medaille ist einer von ihnen). Aber es gibt auch viele Menschen im Autismus-Spektrum, die Mathe überhaupt nicht mögen und in der Schule große Schwierigkeiten damit haben.<br />
<br />
<a href="https://autismus-kultur.de/autismus-mythen/?fbclid=IwAR3ytsgea-nxxyEMxmTPAwl9nNUkFKu1aNsYohoho8MNuGqtwCeiaLYKb8I" rel="noopener" class="mycode_url">Quelle</a>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Grundformen des autistischen Spektrums]]></title>
			<link>https://www.autism4all.at/showthread.php?tid=26</link>
			<pubDate>Thu, 23 Apr 2020 10:16:43 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.autism4all.at/member.php?action=profile&uid=1">Andi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.autism4all.at/showthread.php?tid=26</guid>
			<description><![CDATA[<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="color: #090969;" class="mycode_color"><span style="font-size: large;" class="mycode_size"><span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size">Innerhalb des autistischen Spektrums gibt es zunächst Grundformen. Zwischen frühkindlichem und atypischem Autismus wird vielfach nicht unterschieden, ebenso wird in manchen Fachbüchern nicht zwischen Asperger-Syndrom und High Functioning Autism unterschieden.</span></span></span></span></span></span><ul class="mycode_list"><li>Frühkindlicher Autismus<br />
<br />
</li>
<li>Atypischer Autismus<br />
<br />
</li>
<li>Asperger-Syndrom<br />
<br />
</li>
<li>High Functioning Autism<br />
</li>
</ul>
<br />
<br />
<br />
<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="color: #090969;" class="mycode_color"><span style="font-size: large;" class="mycode_size">Klassifikationen</span></span><br />
Die Autismus-Spektrumsstörung wir durch wird durch Klassifikationssysteme wie DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Klassifikationssystem der American Psychiatric Association) und ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, herausgegeben von der WHO) diagnostiziert. Beide Systeme stellen wir hier vor.</span></span><br />
<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders)</span></span></span><br />
<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size">Im DMS-IV (zu deutsch: „Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen“)  ist ein Klassifikationssystem der American Psychiatric Association (Amerikanische Psychiater-Vereinigung). In ihr wird der frühkindliche Autismus den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen zugeordnet und mit folgenden Kriterien beschrieben:<br />
<br />
Es müssen mindestens sechs Kriterien aus 1, 2 oder 3 zutreffen, wobei mindestens zwei Punkte aus 1 und je ein Punkt aus 2 und 3 stammen müssen:<br />
<span style="color: #090969;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">1. qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion in mindestens zwei der folgenden Bereiche:</span></span></span></span></span><ul class="mycode_list"><li>ausgeprägte Beeinträchtigung im Gebrauch vielfältiger nonverbaler Verhaltensweisen wie zum Beispiel Blickkontakt, Gesichtsausdruck, Körperhaltung und Gestik zur Steuerung sozialer Interaktionen<br />
<br />
</li>
<li>Unfähigkeit, entwicklungsgemäße Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen<br />
<br />
</li>
<li>Mangel, spontan Freude, Interessen oder Erfolge mit anderen zu teilen (z.B. Mangel, anderen Menschen Dinge, die für die Betroffenen von Bedeutung sind, zu zeigen, zu bringen oder darauf hinzuweisen<br />
<br />
</li>
<li>Mangel an sozio-emotionaler Gegenseitigkeit<br />
</li>
</ul>
<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="color: #090969;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">2. qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation in mindestens einem der folgenden Bereiche:</span></span></span></span></span><ul class="mycode_list"><li>verzögertes Einsetzen oder völliges Ausbleiben der Entwicklung von gesprochener Sprache (ohne den Versuch zu machen, die Beeinträchtigung durch alternative Kommunikationsmöglichkeiten wie Gestik oder Mimik zu kompensieren)<br />
<br />
</li>
<li>bei Personen mit ausreichendem Sprachvermögen deutliche Beeinträchtigung der Fähigkeit, ein Gespräch zu beginnen oder fortzuführen<br />
<br />
</li>
<li>stereotyper oder repetitiver Gebrauch der Sprache oder idiosynkratische Sprache<br />
<br />
</li>
<li>Fehlen von verschiedenen entwicklungsgemäßen Rollenspielen oder sozialen Imitationsspielen<br />
</li>
</ul>
<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="color: #090969;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">3. beschränkte, repetitive und stereotype Verhaltensweisen, Interessen und Aktivitäten in mindestens einem der folgenden Bereiche:</span></span></span></span></span><ul class="mycode_list"><li>umfassende Beschäftigung mit einem oder mehreren stereotypen und begrenzten Interessen, wobei Inhalt und Intensität abnorm sind<br />
<br />
</li>
<li>auffällig starres Festhalten an bestimmten nichtfunktionalen Gewohnheiten oder Ritualen<br />
<br />
</li>
<li>stereotype und repetitive motorische Manierismen (z.B. Biegen oder schnelle Bewegungen von Händen oder Fingern oder komplexe Bewegungen des ganzen Körpers<br />
<br />
</li>
<li>ständige Beschäftigung mit Teilen von Objekten<br />
</li>
</ul>
<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="color: #090969;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">4. Beginn vor dem dritten Lebensjahr und Verzögerung oder abnorme Funktionsfähigkeit in mindestens einem der folgenden Bereiche:</span></span></span></span></span><ul class="mycode_list"><li>soziale Interaktion<br />
<br />
</li>
<li>Sprache als soziales Kommunikationsmittel oder<br />
<br />
</li>
<li>symbolisches Spiel oder Phantasiespiel<br />
</li>
</ul>
<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="color: #090969;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">4. Die Störung kann nicht besser durch das Rett-Syndrom oder die Desintegrative Störung im Kindesalter erklärt werden.</span></span></span></span></span><br />
<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems)</span></span></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="color: #090969;" class="mycode_color"><span style="font-size: large;" class="mycode_size"><span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size">Innerhalb des autistischen Spektrums gibt es zunächst Grundformen. Zwischen frühkindlichem und atypischem Autismus wird vielfach nicht unterschieden, ebenso wird in manchen Fachbüchern nicht zwischen Asperger-Syndrom und High Functioning Autism unterschieden.</span></span></span></span></span></span><ul class="mycode_list"><li>Frühkindlicher Autismus<br />
<br />
</li>
<li>Atypischer Autismus<br />
<br />
</li>
<li>Asperger-Syndrom<br />
<br />
</li>
<li>High Functioning Autism<br />
</li>
</ul>
<br />
<br />
<br />
<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="color: #090969;" class="mycode_color"><span style="font-size: large;" class="mycode_size">Klassifikationen</span></span><br />
Die Autismus-Spektrumsstörung wir durch wird durch Klassifikationssysteme wie DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Klassifikationssystem der American Psychiatric Association) und ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, herausgegeben von der WHO) diagnostiziert. Beide Systeme stellen wir hier vor.</span></span><br />
<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders)</span></span></span><br />
<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size">Im DMS-IV (zu deutsch: „Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen“)  ist ein Klassifikationssystem der American Psychiatric Association (Amerikanische Psychiater-Vereinigung). In ihr wird der frühkindliche Autismus den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen zugeordnet und mit folgenden Kriterien beschrieben:<br />
<br />
Es müssen mindestens sechs Kriterien aus 1, 2 oder 3 zutreffen, wobei mindestens zwei Punkte aus 1 und je ein Punkt aus 2 und 3 stammen müssen:<br />
<span style="color: #090969;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">1. qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion in mindestens zwei der folgenden Bereiche:</span></span></span></span></span><ul class="mycode_list"><li>ausgeprägte Beeinträchtigung im Gebrauch vielfältiger nonverbaler Verhaltensweisen wie zum Beispiel Blickkontakt, Gesichtsausdruck, Körperhaltung und Gestik zur Steuerung sozialer Interaktionen<br />
<br />
</li>
<li>Unfähigkeit, entwicklungsgemäße Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen<br />
<br />
</li>
<li>Mangel, spontan Freude, Interessen oder Erfolge mit anderen zu teilen (z.B. Mangel, anderen Menschen Dinge, die für die Betroffenen von Bedeutung sind, zu zeigen, zu bringen oder darauf hinzuweisen<br />
<br />
</li>
<li>Mangel an sozio-emotionaler Gegenseitigkeit<br />
</li>
</ul>
<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="color: #090969;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">2. qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation in mindestens einem der folgenden Bereiche:</span></span></span></span></span><ul class="mycode_list"><li>verzögertes Einsetzen oder völliges Ausbleiben der Entwicklung von gesprochener Sprache (ohne den Versuch zu machen, die Beeinträchtigung durch alternative Kommunikationsmöglichkeiten wie Gestik oder Mimik zu kompensieren)<br />
<br />
</li>
<li>bei Personen mit ausreichendem Sprachvermögen deutliche Beeinträchtigung der Fähigkeit, ein Gespräch zu beginnen oder fortzuführen<br />
<br />
</li>
<li>stereotyper oder repetitiver Gebrauch der Sprache oder idiosynkratische Sprache<br />
<br />
</li>
<li>Fehlen von verschiedenen entwicklungsgemäßen Rollenspielen oder sozialen Imitationsspielen<br />
</li>
</ul>
<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="color: #090969;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">3. beschränkte, repetitive und stereotype Verhaltensweisen, Interessen und Aktivitäten in mindestens einem der folgenden Bereiche:</span></span></span></span></span><ul class="mycode_list"><li>umfassende Beschäftigung mit einem oder mehreren stereotypen und begrenzten Interessen, wobei Inhalt und Intensität abnorm sind<br />
<br />
</li>
<li>auffällig starres Festhalten an bestimmten nichtfunktionalen Gewohnheiten oder Ritualen<br />
<br />
</li>
<li>stereotype und repetitive motorische Manierismen (z.B. Biegen oder schnelle Bewegungen von Händen oder Fingern oder komplexe Bewegungen des ganzen Körpers<br />
<br />
</li>
<li>ständige Beschäftigung mit Teilen von Objekten<br />
</li>
</ul>
<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="color: #090969;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">4. Beginn vor dem dritten Lebensjahr und Verzögerung oder abnorme Funktionsfähigkeit in mindestens einem der folgenden Bereiche:</span></span></span></span></span><ul class="mycode_list"><li>soziale Interaktion<br />
<br />
</li>
<li>Sprache als soziales Kommunikationsmittel oder<br />
<br />
</li>
<li>symbolisches Spiel oder Phantasiespiel<br />
</li>
</ul>
<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="color: #090969;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">4. Die Störung kann nicht besser durch das Rett-Syndrom oder die Desintegrative Störung im Kindesalter erklärt werden.</span></span></span></span></span><br />
<span style="color: #494949;" class="mycode_color"><span style="font-size: small;" class="mycode_size"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems)</span></span></span>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Sozialverhalten, so könnte es sein]]></title>
			<link>https://www.autism4all.at/showthread.php?tid=25</link>
			<pubDate>Thu, 23 Apr 2020 10:13:46 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.autism4all.at/member.php?action=profile&uid=1">Andi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://www.autism4all.at/showthread.php?tid=25</guid>
			<description><![CDATA[" so kann es sein" alle Menschen sind verschieden, auch Autisten!<br />
<br />
Leben in der eigenen Welt<br />
Autistische Menschen leben je nach Ausprägung teilweise bis ständig in einer Welt, zu der andere Menschen keinen Zugang finden. Gerade die schwer Betroffenen aus der Isolation herauszuholen, ist nicht einfach. Für manche Autisten ist der Rückzug in sich selbst eine Schutzmaßnahme vor der Umwelt und den Menschen, die sie nicht verstehen.<br />
<br />
Menschen wahrnehmen<br />
Betroffene zeigen wenig bis kein Interesse an der Umwelt, Menschen werden nicht wahrgenommen. Leicht autistische Menschen ziehen sich nur in bestimmten Situationen (zum Beispiel in einer fremden Umgebung) zurück. Sie kapseln sich ab, sehen und hören nichts mehr. Bei einer schweren Störung ist der Betroffene überhaupt nicht in der Lage, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Das heißt, ein Mensch wird - wenn überhaupt! - nicht als Person wahrgenommen, sondern als "irgendetwas", das sich zufällig im gleichen Raum befindet.<br />
<br />
Axel Brauns, der über seine eigene Behinderung mehrere Bücher geschrieben hat, bezeichnet Menschen als "Buntschatten". So trägt denn auch eines seiner Bücher den Titel "Buntschatten und Fledermäuse". Bunte Schatten! Aus der Sicht eines Betroffenen sehr klar formuliert. Ein anderer Mensch ist für einen Autisten ein gesichtsloser Schatten. Bunt ist die Kleidung, die zwar wahrgenommen, aber worin kein Mensch vermutet wird.<br />
<br />
Blickkontakt<br />
Wenn schon ein Mensch nicht wahrgenommen wird, gibt es auch keinen Blickkontakt. Leicht autistische Menschen scheuen den direkten Blick in die Augen des Gegenübers und fixieren stattdessen zum Beispiel die Stirn, die Nase oder den Mund. Andere schauen seitlich am Kopf des Gegenübers vorbei. Wenn es zu einem Blickkontakt kommt, ist er nur flüchtig. Manche können entweder jemanden ansehen oder sprechen, beides zusammen geht nicht. Schwerer betroffene Menschen bauen gar keinen Blickkontakt auf. Es gibt aber auch Autisten, die keine Probleme damit haben, andere Menschen anzuschauen.<br />
<br />
Gefühle, Gesichtsausdruck, Mimik, Gestik<br />
Autisten fällt es schwer, Gefühle wie Freude, Trauer und ähnliches zu zeigen. Das heißt nicht, dass sie keine Gefühle haben. Man sieht einem Betroffenen dessen Gefühle nur nicht an, denn der Gesichtsausdruck ist nichtssagend. Die Gefühle eines anderen Menschen richtig einzuordnen, fällt Autisten ebenfalls schwer. Das Gleiche gilt für die Gestik. Aber Autisten können es lernen. Sie benötigen dafür wesentlich mehr Zeit als andere und müssen die Mimik eines Menschen studieren. Comics sind eine gute Lernquelle, denn hier werden Charaktereigenschaften stark übertrieben dargestellt. Die gezeichneten Figuren sind meistens Tiere mit menschlichen Fähigkeiten, sie bewegen sich nicht und man kann sie lange anschauen. Und was das Wichtigste ist: Die Figuren haben mit Menschen optisch nichts gemeinsam und stellen daher auch keine Bedrohung dar.<br />
<br />
Gefühle anderer Menschen einschätzen<br />
Die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, könnte man auch als Menschenkenntnis bezeichnen. Autistisch behinderte Menschen haben diese Fähigkeit nicht oder nur zum Teil. Dazu ein Beispiel: Ein Mädchen im Alter von etwa 10-11 Jahren sah ihre Tante am geschlossenen Sarg des Großvaters stehen. Die Tante verzog ihren Mund zu einem Grinsen und verabschiedete sich vom Verstorbenen. Das Mädchen imitierte die Mimik der Tante und grinste ebenfalls. Die rotverweinten Augen der Tante und ihr Schniefen hätten dem Mädchen eigentlich zeigen müssen, dass die Tante nicht grinste, sondern tieftraurig war. Gut, dass niemand das grinsende Mädchen bemerkte, sonst wäre es gerügt worden, was dazu geführt hätte, dass sich das Mädchen in die eigene Welt zurückgezogen hätte, nicht verstehend, was es jetzt schon wieder falsch gemacht hatte.<br />
<br />
Aus dem Auge - aus dem Sinn<br />
Es gibt autistische Kinder, die ihre Eltern nicht erkennen. Diesen Kindern ist es gleichgültig, ob sie von der eigenen Mutter oder<br />
<br />
einer völlig fremden Person versorgt werden. Muss sich die Bezugsperson zum Beispiel für einen längeren Krankenhausaufenthalt vom Kind verabschieden, gibt es bei der Rückkehr kein Erkennen, kein "Händchen ausstrecken", keine Freude, nur absolute Gleichgültigkeit. Für Eltern ist ein solches Verhalten äußerst schwer zu ertragen.<br />
<br />
Andere autistische Kinder wissen zwar, wer ihre Eltern sind, sind aber nicht in der Lage, diese nach einer längeren Trennung wiederzuerkennen. Noch andere Kinder erkennen die Mutter von gestern deshalb nicht wieder, weil die Mama andere Kleidung als am Vortag trägt. Eine andere Gruppe kennt in dem Mann, der jeden Morgen am Frühstückstisch sitzt zwar den Vater, aber wenn er sich im Wohnzimmer aufhält, wird er nicht mehr als Papa erkannt.<br />
<br />
Ein Beispiel aus der Erwachsenenwelt: Ein junger Mann, nennen wir ihn Markus, arbeitet als KFZ-Mechaniker. Er hat nur eine leicht autistische Behinderung, gilt im Kollegenkreis als verschroben und schrullig. Eines Tages wird Markus beim Einkauf im Supermarkt von einem älteren Herrn mit Namen angesprochen. So sehr sich Markus auch bemüht, er kann den älteren Herrn nicht einordnen. Ist er ein entfernter Verwandter, ein Nachbar? Es will Markus einfach nicht einfallen. Erst am nächsten Tag erfährt Markus, dass der ältere Herr sein Kollege aus der KFZ-Werkstatt war. Markus hat diesen Herrn nur deshalb nicht erkannt, weil er den Kollegen im Supermarkt nicht erwartet hatte und der Kollege darüber hinaus auch keine Arbeitskleidung trug.<br />
<br />
Handlungen anderer Menschen einschätzen<br />
So wie Autisten Gefühle anderer Menschen falsch einschätzen, so interpretieren sie auch deren Handlungen zum Teil völlig anders als normale Menschen es tun würden. In fast allen Kulturen ist ein Kopfschütteln das Synonym für "Nein" und mit dem Kopf zu nicken bedeutet "Ja". Soweit uns bekannt ist, verhält es sich im asiatischen Raum genau umgekehrt. Wie würde sich ein Europäer wohl fühlen, wenn ein Asiate die Bitte um Hilfe mit einem lächelnden Kopfschütteln quittieren würde? Wenn wir solch unterschiedlich wahrgenommenen Handlungen auf eine Kommunikation zwischen einem normalen Menschen und einem autistisch behinderten Menschen übertragen, ergeben sich daraus ungeahnte Schwierigkeiten. Keine Seite versteht die andere und beide reagieren nicht so, wie die jeweilige Gegenseite es erwartet.<br />
<br />
Handlungen anderer voraussehen<br />
"Was wäre, wenn...?" oder "Was passiert dann?" - Nehmen wir einmal an, Sie beleidigen eine andere Person. Können Sie sich jetzt die Reaktion (Gefühle) dieser Person vorstellen? Ja? Glückwunsch! Autisten können es nicht, selten oder nicht besonders gut. Eine begonnene Geschichte weiterzuerzählen, erweist sich ebenfalls als schwierig, wenn nicht sogar als aussichtslos.<br />
<br />
Weitere Verständigungsschwierigkeiten<br />
Bei Handlungen, die Verständnis von Sprache, Texten und Symbolen verlangen, gelingt es Betroffenen ebenfalls nicht, diese richtig zu verstehen. Dazu gehören zum Beispiel Redewendungen, welche wörtlich verstanden werden. Behauptet jemand beispielsweise, er würde sich nicht das Heft aus der Hand nehmen lassen, verwirrt eine solche Aussage einen autistisch behinderten Menschen. Er hält nach dem Heft Ausschau, welches natürlich nur als Symbol zu verstehen ist. Zur Erklärung: Die zitierte Redewendung bedeutet, dass man sich nicht die Führung (bei einer Verhandlung, einer Rede usw.) nehmen lässt bzw. in einer Unterhaltung nicht unterbrochen werden möchte.<br />
<br />
Sarkasmus und Ironie sind autistisch behinderten Menschen ebenfalls nicht verständlich. Dazu ein Beispiel: Ein Junge steht mit seiner Mutter an der Kasse eines Supermarktes an und möchte - wie viele andere Kinder auch - ein Eis, ein Spielzeugauto oder ähnliches. Da die Mutter die Bitte ablehnt, wird der Junge lauter, bis er schließlich brüllt. Die Mutter sieht ihren Sohn streng an und meint nur: "Du musst lauter brüllen, damit ich dich verstehe!" Da der Junge diese Aufforderung wörtlich versteht, brüllt er noch lauter als zuvor. Er nimmt an, dass er dann das Gewünschte erhält. Stattdessen schlägt ihm die Mutter ins Gesicht und zerrt ihn aus dem Supermarkt. - Diese Szene hat sich nie zugetragen, aber sie zeigt, dass Autisten das, was sie hören, wörtlich verstehen. Während Kinder irgendwann lernen, auch mit Ironie und Sarkasmus richtig umzugehen, wird es für autistisch behinderte Menschen immer schwer sein, zwischen dem, was sie hören und dem, was diese Worte bedeuten, zu unterscheiden.<br />
<br />
Rollenspiele<br />
Im Spiel schlüpfen normale Kinder gern in die Rolle ihrer Lieblingsfiguren. Sie sind dann Raumfahrer, Prinzessinnen und ähnliches. Auch hierbei ist ein Unterschied zu autistisch behinderten Kindern zu sehen, welche solche Spiele deshalb nicht oder nur schwer verstehen, weil sie ihre eigenen Gefühle, Wünsche und Sehnsüchte etc. nicht auf die Spielfigur übertragen können. Aber es gibt Autisten, die dazu imstande sind.<br />
<br />
Kontaktaufnahme<br />
Viele Autisten wissen nicht, wie man andere Menschen anspricht. Dass über das Wetter zu reden eine mögliche Form der Kontaktaufnahme ist, ist ihnen nicht verständlich. Warum sollen sie erwähnen, dass es regnet? Das sieht und spürt doch jeder, der sich bei Regen draußen aufhält oder aus dem Fenster sieht! Warum also etwas erwähnen, das so offensichtlich ist?<br />
<br />
Manch ein autistisches Kind stellt sich ganz dicht vor ein anderes und sieht dieses Kind nur an. Mehr nicht! Andere wedeln mit der Hand vor dem Gesicht des anderen Kindes oder geben ihm einen Schubs. Solche Aktionen rufen beim Gegenüber im Idealfall nur Staunen hervor, werden aber sicher nicht als Aufforderung zum Spielen interpretiert. Das Fixieren eines Gegenstandes zum Beispiel beim Besuch eines Supermarktes soll der Mutter mitteilen, diesen Gegenstand mitzunehmen, die sprachliche Aufforderung dazu fehlt.<br />
<br />
Höflichkeiten<br />
Dass man einem Menschen zur Begrüßung oder zum Abschied die Hand zu reichen hat, lernt irgendwann jeder, ohne die Frage nach dem Warum zu stellen. Vieles übernehmen wir, weil es uns vorgelebt wird und ein höfliches Miteinander fördert. Irgendwann lernt ein Kind, sich auch für ein nicht so schönes Geschenk zu bedanken. Ein autistisches Kind würde das nicht tun.<br />
<br />
Autisten sind wahre Gerechtigkeitsfanatiker und sagen um jeden Preis die Wahrheit, auch wenn diese verletzend ist. Da wird in einem Cafe laut auf die sehr kräftige Dame am Nachbartisch aufmerksam gemacht. "Psst, so etwas sagt man nicht!" rügt die Mutter. "Aber die Frau ist dick!" kommt die Antwort des Jungen. "Man sagt es aber nicht, weil..." versucht die Mutter zu erklären. "Aber wenn es doch stimmt?" lässt der Junge nicht locker. In seinen Augen hat er die Dame treffend beschrieben. Sie wird nicht dünner, nur weil man es nicht sagen darf.<br />
<br />
Körperkontakt<br />
Betroffene verweigern häufig Körperkontakt. Während die einen Kontakt an gewissen Körperstellen zulassen, verweigern die anderen Körperkontakt völlig. Bei einem Kind ist man häufig versucht, diesem über den Kopf zu streicheln. Eine solche Tat oder gar nur der Versuch wird zum Beispiel mit einem kräftigen Tritt vors Schienbein quittiert.<br />
<br />
Aggressionen, Aggressivität<br />
Beißen, Treten, Schlagen und andere Aggressionen treten unserer Erfahrung nach immer dann auf, wenn sich ein Betroffener in die Enge getrieben sieht. Dies können in den Augen eines Autisten unmögliche Anforderungen sein wie beispielsweise die Aufforderung von Körperkontakt (in den Arm nehmen, Händeschütteln etc.), eine Frage beantworten, jegliche andere sprachliche Aufforderung, eine Regelverletzung und ähnliches. Während Kinder irgendwann lernen, dass man sich auch verbal wehren kann, ist diese Einsicht bei autistisch behinderten Menschen nicht oder nur wenig vorhanden. Das einzige, das gut funktioniert, ist die körperliche Aktion.<br />
<br />
Rituale, Regeln<br />
Überall treffen wir auf Regeln: in der Familie, im Beruf, im Verein, in Sport und Freizeit. Es gibt ungeschriebene Regeln und ganze Regelwerke (zum Beispiel Gesetzesbücher). Regeln werden akzeptiert und ebenso oft gebrochen. Autisten brechen keine Regeln, sondern fordern sogar deren Einhaltung ein, auch zum eigenen Nachteil. Eine äußerst lobenswerte Eigenschaft. Aber so wie sie Regeln einfordern, bestehen sie auch auf der Einhaltung zum Teil unsinniger Rituale.<br />
<br />
Rituale können so unterschiedlich sein wie es Menschen gibt. Ein Mädchen geht nie ohne ihren Lieblingsteddy zu Bett, ein Junge verlässt das Haus immer mit irgendeinem Spielzeug in der Hosentasche. Weitere Rituale sind zum Beispiel das Bestehen auf dem immer gleichen Platz am Küchentisch oder es muss immer der gleiche Kaffeebecher sein, aus dem getrunken wird. Wenn in der U-Bahn der gewohnte Platz schon besetzt ist, wird auf die nächste U-Bahn gewartet. Eine Hausfrau wird fast wahnsinnig, weil ihr Mann die Kaffeetassen nicht genau auf den dafür vorgesehenen Platz im Hängeschrank geräumt hat, noch dazu mal mit dem Henkel zur linken, mal zur rechten Seite.<br />
<br />
Werden Rituale nicht eingehalten, wird sich auf dem Boden gewälzt, es wird getreten, geschlagen oder sich in die eigene Welt zurückgezogen.<br />
<br />
Rituale und Regeln geben aber Sicherheit. Innerhalb klar definierter Grenzen kann etwas neues ausprobiert werden. Ein autistischer Mensch ist insbesondere innerhalb seiner selbst gesetzten Grenzen wesentlich bereiter, sich auf Kommunikation oder neue Situationen einzulassen. Wenn Rituale und Regeln zugelassen und akzeptiert werden, kann sogar eine Verhaltensänderung herbeigeführt werden. Zu den Ritualen zählen natürlich auch Gewohnheiten wie etwa immer den gleichen Weg zum Bäcker, zur Arbeit, zur Schule zu wählen. Und wehe, wenn es mal - aus welchen Gründen auch immer - ein anderer Weg sein muss.<br />
<br />
Wiederholungen<br />
Für Wiederholungen gilt fast das gleiche wie für Rituale und Regeln. Die ständige Wiederholung gibt einem Betroffenen Sicherheit. Was gestern richtig war, ist es auch heute und wird auch morgen so sein. Wiederholungen können sein: immer wieder das gleiche Kartenspiel spielen, ständig die Hände waschen (hier könnte es sich aber auch um einen Waschzwang handeln), Rechenaufgaben mehrfach ausführen usw.<br />
<br />
Motivation, eigener Antrieb<br />
"Was soll ich jetzt tun?" fragt ein Kind die Mutter. "Was muss ich als nächstes erledigen?" fragt ein Angestellter. Schön, wenn solche Fragen gestellt werden, "normal" ist es für autistische Menschen nicht. Da wird lieber in Untätigkeit verharrt, obwohl die Arbeit durchaus gesehen werden kann. Es fehlt am nötigen Antrieb. Eine Lehrkraft muss das autistisch behinderte Schulkind ständig auffordern, die Schulaufgaben zu machen, während nachmittags die Mutter ebenfalls ständig überprüfen muss, ob denn auch die Hausaufgaben erledigt werden.<br />
<br />
Wenn man aber weiß, dass Autisten Regeln und Rituale brauchen (weiter oben beschrieben), kann man diese gezielt zur Motivation einsetzen. Doch eines gleich vorweg: Es ist ein langer und steiniger Weg, begleitet von Rückschlägen, Frustation und Tränen der Bezugspersonen (Mutter, Vater) einerseits und dem Betroffenen andererseits. Unsinnige oder gar skurrile Rituale können mit Geduld und Ausdauer durch andere, bessere ersetzt werden. <br />
<br />
Unwichtige Dinge sehen, sich an Details aufhalten<br />
Wenn sich ein normaler Mensch ein Radiogerät betrachtet, so wird er dieses als ein Ganzes wahrnehmen. Ein autistischer Mensch sieht stattdessen nur den großen Drehknopf, den er gern einmal ausprobieren möchte oder das Kasettenfach oder vielleicht auch nur die Farbe des Gerätes. Aber er sieht nicht das Gerät als solches. Ein Autist muss sich das Radiogerät in kleinen Häppchen erschließen. Das bedeutet gleichzeitig, er benötigt für die Aufnahme an optischen Informationen mehr Zeit. Zeit, die er insbesondere im Straßenverkehr nicht hat. Bis ein Betroffener das herannahende Auto registriert, hat er die Straße längst passiert.<br />
<br />
Sich an Details festzukrallen, kann auch während eines Gesprächs geschehen. Gerade noch wurde über die Zubereitung von Erdbeermarmelade gesprochen, da hört man aus dem Mund eines betroffenen Kindes: "Papa fährt morgen mit mir schwimmen!" Hier ist die rote Farbe der Erdbeeren das Detail, mit dem sich das Kind beschäftigt und der weiteren Unterhaltung nicht mehr folgt. Das Kind denkt darüber nach, was alles noch rot ist und kommt dann auf Papas rotes Auto. Und in dieses rote Auto steigt das Kind morgen ein und fährt mit Papa zum Schwimmbad.<br />
<br />
Furcht, Ängste<br />
Jeder kennt Ängste, sei es vor Mäusen oder Spinnen, sei es vor Prüfungen und (öffentlichen) Auftritten. Autistische Menschen können sich vor ganz alltäglichen, harmlosen Dingen fürchten wie zum Beispiel vor runden oder eckigen Gegenständen, einer Mauer und ähnlichen Dingen. Sie können sich weiterhin vor Situationen fürchten, die in keinster Weise angsteinflößend sind. Andererseits kennen einige Betroffene überhaupt keine Furcht, insbesondere nicht vor wirklichen Gefahrenquellen wie etwa einer heißen Herdplatte. Ein Betroffener kann auf einer hohen Mauer balancieren, ohne sich darüber bewusst zu werden, dass er stürzen und sich dabei schwer verletzen kann.<br />
<br />
Einfache Empfindung und Wahrnehmung<br />
Manche Dinge nimmt ein Betroffener lieber durch Berührung wahr oder durch Geschmack und Geruch. Das heißt: Menschen werden betastet, es wird an ihnen gerochen und - was für fast die meisten Menschen am unverständlichsten ist - mit der Zunge beleckt. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Gegenstände aller Art. Auch wenn wir uns wiederholen, ein solches Verhalten trifft nicht auf alle autistisch behinderten Menschen zu.<br />
<br />
Mechanisches Gesamtverhalten<br />
Ist Ihnen schon einmal an einem anderen Menschen eine robotergleiche Gangart aufgefallen oder eine mechanisch wirkende Armbewegung? - Es könnte sich dabei, vorausgesetzt, dass dieser Jemand noch andere seltsame Auffälligkeiten aufweist, um einen Autisten handeln.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[" so kann es sein" alle Menschen sind verschieden, auch Autisten!<br />
<br />
Leben in der eigenen Welt<br />
Autistische Menschen leben je nach Ausprägung teilweise bis ständig in einer Welt, zu der andere Menschen keinen Zugang finden. Gerade die schwer Betroffenen aus der Isolation herauszuholen, ist nicht einfach. Für manche Autisten ist der Rückzug in sich selbst eine Schutzmaßnahme vor der Umwelt und den Menschen, die sie nicht verstehen.<br />
<br />
Menschen wahrnehmen<br />
Betroffene zeigen wenig bis kein Interesse an der Umwelt, Menschen werden nicht wahrgenommen. Leicht autistische Menschen ziehen sich nur in bestimmten Situationen (zum Beispiel in einer fremden Umgebung) zurück. Sie kapseln sich ab, sehen und hören nichts mehr. Bei einer schweren Störung ist der Betroffene überhaupt nicht in der Lage, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Das heißt, ein Mensch wird - wenn überhaupt! - nicht als Person wahrgenommen, sondern als "irgendetwas", das sich zufällig im gleichen Raum befindet.<br />
<br />
Axel Brauns, der über seine eigene Behinderung mehrere Bücher geschrieben hat, bezeichnet Menschen als "Buntschatten". So trägt denn auch eines seiner Bücher den Titel "Buntschatten und Fledermäuse". Bunte Schatten! Aus der Sicht eines Betroffenen sehr klar formuliert. Ein anderer Mensch ist für einen Autisten ein gesichtsloser Schatten. Bunt ist die Kleidung, die zwar wahrgenommen, aber worin kein Mensch vermutet wird.<br />
<br />
Blickkontakt<br />
Wenn schon ein Mensch nicht wahrgenommen wird, gibt es auch keinen Blickkontakt. Leicht autistische Menschen scheuen den direkten Blick in die Augen des Gegenübers und fixieren stattdessen zum Beispiel die Stirn, die Nase oder den Mund. Andere schauen seitlich am Kopf des Gegenübers vorbei. Wenn es zu einem Blickkontakt kommt, ist er nur flüchtig. Manche können entweder jemanden ansehen oder sprechen, beides zusammen geht nicht. Schwerer betroffene Menschen bauen gar keinen Blickkontakt auf. Es gibt aber auch Autisten, die keine Probleme damit haben, andere Menschen anzuschauen.<br />
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Gefühle, Gesichtsausdruck, Mimik, Gestik<br />
Autisten fällt es schwer, Gefühle wie Freude, Trauer und ähnliches zu zeigen. Das heißt nicht, dass sie keine Gefühle haben. Man sieht einem Betroffenen dessen Gefühle nur nicht an, denn der Gesichtsausdruck ist nichtssagend. Die Gefühle eines anderen Menschen richtig einzuordnen, fällt Autisten ebenfalls schwer. Das Gleiche gilt für die Gestik. Aber Autisten können es lernen. Sie benötigen dafür wesentlich mehr Zeit als andere und müssen die Mimik eines Menschen studieren. Comics sind eine gute Lernquelle, denn hier werden Charaktereigenschaften stark übertrieben dargestellt. Die gezeichneten Figuren sind meistens Tiere mit menschlichen Fähigkeiten, sie bewegen sich nicht und man kann sie lange anschauen. Und was das Wichtigste ist: Die Figuren haben mit Menschen optisch nichts gemeinsam und stellen daher auch keine Bedrohung dar.<br />
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Gefühle anderer Menschen einschätzen<br />
Die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, könnte man auch als Menschenkenntnis bezeichnen. Autistisch behinderte Menschen haben diese Fähigkeit nicht oder nur zum Teil. Dazu ein Beispiel: Ein Mädchen im Alter von etwa 10-11 Jahren sah ihre Tante am geschlossenen Sarg des Großvaters stehen. Die Tante verzog ihren Mund zu einem Grinsen und verabschiedete sich vom Verstorbenen. Das Mädchen imitierte die Mimik der Tante und grinste ebenfalls. Die rotverweinten Augen der Tante und ihr Schniefen hätten dem Mädchen eigentlich zeigen müssen, dass die Tante nicht grinste, sondern tieftraurig war. Gut, dass niemand das grinsende Mädchen bemerkte, sonst wäre es gerügt worden, was dazu geführt hätte, dass sich das Mädchen in die eigene Welt zurückgezogen hätte, nicht verstehend, was es jetzt schon wieder falsch gemacht hatte.<br />
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Aus dem Auge - aus dem Sinn<br />
Es gibt autistische Kinder, die ihre Eltern nicht erkennen. Diesen Kindern ist es gleichgültig, ob sie von der eigenen Mutter oder<br />
<br />
einer völlig fremden Person versorgt werden. Muss sich die Bezugsperson zum Beispiel für einen längeren Krankenhausaufenthalt vom Kind verabschieden, gibt es bei der Rückkehr kein Erkennen, kein "Händchen ausstrecken", keine Freude, nur absolute Gleichgültigkeit. Für Eltern ist ein solches Verhalten äußerst schwer zu ertragen.<br />
<br />
Andere autistische Kinder wissen zwar, wer ihre Eltern sind, sind aber nicht in der Lage, diese nach einer längeren Trennung wiederzuerkennen. Noch andere Kinder erkennen die Mutter von gestern deshalb nicht wieder, weil die Mama andere Kleidung als am Vortag trägt. Eine andere Gruppe kennt in dem Mann, der jeden Morgen am Frühstückstisch sitzt zwar den Vater, aber wenn er sich im Wohnzimmer aufhält, wird er nicht mehr als Papa erkannt.<br />
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Ein Beispiel aus der Erwachsenenwelt: Ein junger Mann, nennen wir ihn Markus, arbeitet als KFZ-Mechaniker. Er hat nur eine leicht autistische Behinderung, gilt im Kollegenkreis als verschroben und schrullig. Eines Tages wird Markus beim Einkauf im Supermarkt von einem älteren Herrn mit Namen angesprochen. So sehr sich Markus auch bemüht, er kann den älteren Herrn nicht einordnen. Ist er ein entfernter Verwandter, ein Nachbar? Es will Markus einfach nicht einfallen. Erst am nächsten Tag erfährt Markus, dass der ältere Herr sein Kollege aus der KFZ-Werkstatt war. Markus hat diesen Herrn nur deshalb nicht erkannt, weil er den Kollegen im Supermarkt nicht erwartet hatte und der Kollege darüber hinaus auch keine Arbeitskleidung trug.<br />
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Handlungen anderer Menschen einschätzen<br />
So wie Autisten Gefühle anderer Menschen falsch einschätzen, so interpretieren sie auch deren Handlungen zum Teil völlig anders als normale Menschen es tun würden. In fast allen Kulturen ist ein Kopfschütteln das Synonym für "Nein" und mit dem Kopf zu nicken bedeutet "Ja". Soweit uns bekannt ist, verhält es sich im asiatischen Raum genau umgekehrt. Wie würde sich ein Europäer wohl fühlen, wenn ein Asiate die Bitte um Hilfe mit einem lächelnden Kopfschütteln quittieren würde? Wenn wir solch unterschiedlich wahrgenommenen Handlungen auf eine Kommunikation zwischen einem normalen Menschen und einem autistisch behinderten Menschen übertragen, ergeben sich daraus ungeahnte Schwierigkeiten. Keine Seite versteht die andere und beide reagieren nicht so, wie die jeweilige Gegenseite es erwartet.<br />
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Handlungen anderer voraussehen<br />
"Was wäre, wenn...?" oder "Was passiert dann?" - Nehmen wir einmal an, Sie beleidigen eine andere Person. Können Sie sich jetzt die Reaktion (Gefühle) dieser Person vorstellen? Ja? Glückwunsch! Autisten können es nicht, selten oder nicht besonders gut. Eine begonnene Geschichte weiterzuerzählen, erweist sich ebenfalls als schwierig, wenn nicht sogar als aussichtslos.<br />
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Weitere Verständigungsschwierigkeiten<br />
Bei Handlungen, die Verständnis von Sprache, Texten und Symbolen verlangen, gelingt es Betroffenen ebenfalls nicht, diese richtig zu verstehen. Dazu gehören zum Beispiel Redewendungen, welche wörtlich verstanden werden. Behauptet jemand beispielsweise, er würde sich nicht das Heft aus der Hand nehmen lassen, verwirrt eine solche Aussage einen autistisch behinderten Menschen. Er hält nach dem Heft Ausschau, welches natürlich nur als Symbol zu verstehen ist. Zur Erklärung: Die zitierte Redewendung bedeutet, dass man sich nicht die Führung (bei einer Verhandlung, einer Rede usw.) nehmen lässt bzw. in einer Unterhaltung nicht unterbrochen werden möchte.<br />
<br />
Sarkasmus und Ironie sind autistisch behinderten Menschen ebenfalls nicht verständlich. Dazu ein Beispiel: Ein Junge steht mit seiner Mutter an der Kasse eines Supermarktes an und möchte - wie viele andere Kinder auch - ein Eis, ein Spielzeugauto oder ähnliches. Da die Mutter die Bitte ablehnt, wird der Junge lauter, bis er schließlich brüllt. Die Mutter sieht ihren Sohn streng an und meint nur: "Du musst lauter brüllen, damit ich dich verstehe!" Da der Junge diese Aufforderung wörtlich versteht, brüllt er noch lauter als zuvor. Er nimmt an, dass er dann das Gewünschte erhält. Stattdessen schlägt ihm die Mutter ins Gesicht und zerrt ihn aus dem Supermarkt. - Diese Szene hat sich nie zugetragen, aber sie zeigt, dass Autisten das, was sie hören, wörtlich verstehen. Während Kinder irgendwann lernen, auch mit Ironie und Sarkasmus richtig umzugehen, wird es für autistisch behinderte Menschen immer schwer sein, zwischen dem, was sie hören und dem, was diese Worte bedeuten, zu unterscheiden.<br />
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Rollenspiele<br />
Im Spiel schlüpfen normale Kinder gern in die Rolle ihrer Lieblingsfiguren. Sie sind dann Raumfahrer, Prinzessinnen und ähnliches. Auch hierbei ist ein Unterschied zu autistisch behinderten Kindern zu sehen, welche solche Spiele deshalb nicht oder nur schwer verstehen, weil sie ihre eigenen Gefühle, Wünsche und Sehnsüchte etc. nicht auf die Spielfigur übertragen können. Aber es gibt Autisten, die dazu imstande sind.<br />
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Kontaktaufnahme<br />
Viele Autisten wissen nicht, wie man andere Menschen anspricht. Dass über das Wetter zu reden eine mögliche Form der Kontaktaufnahme ist, ist ihnen nicht verständlich. Warum sollen sie erwähnen, dass es regnet? Das sieht und spürt doch jeder, der sich bei Regen draußen aufhält oder aus dem Fenster sieht! Warum also etwas erwähnen, das so offensichtlich ist?<br />
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Manch ein autistisches Kind stellt sich ganz dicht vor ein anderes und sieht dieses Kind nur an. Mehr nicht! Andere wedeln mit der Hand vor dem Gesicht des anderen Kindes oder geben ihm einen Schubs. Solche Aktionen rufen beim Gegenüber im Idealfall nur Staunen hervor, werden aber sicher nicht als Aufforderung zum Spielen interpretiert. Das Fixieren eines Gegenstandes zum Beispiel beim Besuch eines Supermarktes soll der Mutter mitteilen, diesen Gegenstand mitzunehmen, die sprachliche Aufforderung dazu fehlt.<br />
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Höflichkeiten<br />
Dass man einem Menschen zur Begrüßung oder zum Abschied die Hand zu reichen hat, lernt irgendwann jeder, ohne die Frage nach dem Warum zu stellen. Vieles übernehmen wir, weil es uns vorgelebt wird und ein höfliches Miteinander fördert. Irgendwann lernt ein Kind, sich auch für ein nicht so schönes Geschenk zu bedanken. Ein autistisches Kind würde das nicht tun.<br />
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Autisten sind wahre Gerechtigkeitsfanatiker und sagen um jeden Preis die Wahrheit, auch wenn diese verletzend ist. Da wird in einem Cafe laut auf die sehr kräftige Dame am Nachbartisch aufmerksam gemacht. "Psst, so etwas sagt man nicht!" rügt die Mutter. "Aber die Frau ist dick!" kommt die Antwort des Jungen. "Man sagt es aber nicht, weil..." versucht die Mutter zu erklären. "Aber wenn es doch stimmt?" lässt der Junge nicht locker. In seinen Augen hat er die Dame treffend beschrieben. Sie wird nicht dünner, nur weil man es nicht sagen darf.<br />
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Körperkontakt<br />
Betroffene verweigern häufig Körperkontakt. Während die einen Kontakt an gewissen Körperstellen zulassen, verweigern die anderen Körperkontakt völlig. Bei einem Kind ist man häufig versucht, diesem über den Kopf zu streicheln. Eine solche Tat oder gar nur der Versuch wird zum Beispiel mit einem kräftigen Tritt vors Schienbein quittiert.<br />
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Aggressionen, Aggressivität<br />
Beißen, Treten, Schlagen und andere Aggressionen treten unserer Erfahrung nach immer dann auf, wenn sich ein Betroffener in die Enge getrieben sieht. Dies können in den Augen eines Autisten unmögliche Anforderungen sein wie beispielsweise die Aufforderung von Körperkontakt (in den Arm nehmen, Händeschütteln etc.), eine Frage beantworten, jegliche andere sprachliche Aufforderung, eine Regelverletzung und ähnliches. Während Kinder irgendwann lernen, dass man sich auch verbal wehren kann, ist diese Einsicht bei autistisch behinderten Menschen nicht oder nur wenig vorhanden. Das einzige, das gut funktioniert, ist die körperliche Aktion.<br />
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Rituale, Regeln<br />
Überall treffen wir auf Regeln: in der Familie, im Beruf, im Verein, in Sport und Freizeit. Es gibt ungeschriebene Regeln und ganze Regelwerke (zum Beispiel Gesetzesbücher). Regeln werden akzeptiert und ebenso oft gebrochen. Autisten brechen keine Regeln, sondern fordern sogar deren Einhaltung ein, auch zum eigenen Nachteil. Eine äußerst lobenswerte Eigenschaft. Aber so wie sie Regeln einfordern, bestehen sie auch auf der Einhaltung zum Teil unsinniger Rituale.<br />
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Rituale können so unterschiedlich sein wie es Menschen gibt. Ein Mädchen geht nie ohne ihren Lieblingsteddy zu Bett, ein Junge verlässt das Haus immer mit irgendeinem Spielzeug in der Hosentasche. Weitere Rituale sind zum Beispiel das Bestehen auf dem immer gleichen Platz am Küchentisch oder es muss immer der gleiche Kaffeebecher sein, aus dem getrunken wird. Wenn in der U-Bahn der gewohnte Platz schon besetzt ist, wird auf die nächste U-Bahn gewartet. Eine Hausfrau wird fast wahnsinnig, weil ihr Mann die Kaffeetassen nicht genau auf den dafür vorgesehenen Platz im Hängeschrank geräumt hat, noch dazu mal mit dem Henkel zur linken, mal zur rechten Seite.<br />
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Werden Rituale nicht eingehalten, wird sich auf dem Boden gewälzt, es wird getreten, geschlagen oder sich in die eigene Welt zurückgezogen.<br />
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Rituale und Regeln geben aber Sicherheit. Innerhalb klar definierter Grenzen kann etwas neues ausprobiert werden. Ein autistischer Mensch ist insbesondere innerhalb seiner selbst gesetzten Grenzen wesentlich bereiter, sich auf Kommunikation oder neue Situationen einzulassen. Wenn Rituale und Regeln zugelassen und akzeptiert werden, kann sogar eine Verhaltensänderung herbeigeführt werden. Zu den Ritualen zählen natürlich auch Gewohnheiten wie etwa immer den gleichen Weg zum Bäcker, zur Arbeit, zur Schule zu wählen. Und wehe, wenn es mal - aus welchen Gründen auch immer - ein anderer Weg sein muss.<br />
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Wiederholungen<br />
Für Wiederholungen gilt fast das gleiche wie für Rituale und Regeln. Die ständige Wiederholung gibt einem Betroffenen Sicherheit. Was gestern richtig war, ist es auch heute und wird auch morgen so sein. Wiederholungen können sein: immer wieder das gleiche Kartenspiel spielen, ständig die Hände waschen (hier könnte es sich aber auch um einen Waschzwang handeln), Rechenaufgaben mehrfach ausführen usw.<br />
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Motivation, eigener Antrieb<br />
"Was soll ich jetzt tun?" fragt ein Kind die Mutter. "Was muss ich als nächstes erledigen?" fragt ein Angestellter. Schön, wenn solche Fragen gestellt werden, "normal" ist es für autistische Menschen nicht. Da wird lieber in Untätigkeit verharrt, obwohl die Arbeit durchaus gesehen werden kann. Es fehlt am nötigen Antrieb. Eine Lehrkraft muss das autistisch behinderte Schulkind ständig auffordern, die Schulaufgaben zu machen, während nachmittags die Mutter ebenfalls ständig überprüfen muss, ob denn auch die Hausaufgaben erledigt werden.<br />
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Wenn man aber weiß, dass Autisten Regeln und Rituale brauchen (weiter oben beschrieben), kann man diese gezielt zur Motivation einsetzen. Doch eines gleich vorweg: Es ist ein langer und steiniger Weg, begleitet von Rückschlägen, Frustation und Tränen der Bezugspersonen (Mutter, Vater) einerseits und dem Betroffenen andererseits. Unsinnige oder gar skurrile Rituale können mit Geduld und Ausdauer durch andere, bessere ersetzt werden. <br />
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Unwichtige Dinge sehen, sich an Details aufhalten<br />
Wenn sich ein normaler Mensch ein Radiogerät betrachtet, so wird er dieses als ein Ganzes wahrnehmen. Ein autistischer Mensch sieht stattdessen nur den großen Drehknopf, den er gern einmal ausprobieren möchte oder das Kasettenfach oder vielleicht auch nur die Farbe des Gerätes. Aber er sieht nicht das Gerät als solches. Ein Autist muss sich das Radiogerät in kleinen Häppchen erschließen. Das bedeutet gleichzeitig, er benötigt für die Aufnahme an optischen Informationen mehr Zeit. Zeit, die er insbesondere im Straßenverkehr nicht hat. Bis ein Betroffener das herannahende Auto registriert, hat er die Straße längst passiert.<br />
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Sich an Details festzukrallen, kann auch während eines Gesprächs geschehen. Gerade noch wurde über die Zubereitung von Erdbeermarmelade gesprochen, da hört man aus dem Mund eines betroffenen Kindes: "Papa fährt morgen mit mir schwimmen!" Hier ist die rote Farbe der Erdbeeren das Detail, mit dem sich das Kind beschäftigt und der weiteren Unterhaltung nicht mehr folgt. Das Kind denkt darüber nach, was alles noch rot ist und kommt dann auf Papas rotes Auto. Und in dieses rote Auto steigt das Kind morgen ein und fährt mit Papa zum Schwimmbad.<br />
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Furcht, Ängste<br />
Jeder kennt Ängste, sei es vor Mäusen oder Spinnen, sei es vor Prüfungen und (öffentlichen) Auftritten. Autistische Menschen können sich vor ganz alltäglichen, harmlosen Dingen fürchten wie zum Beispiel vor runden oder eckigen Gegenständen, einer Mauer und ähnlichen Dingen. Sie können sich weiterhin vor Situationen fürchten, die in keinster Weise angsteinflößend sind. Andererseits kennen einige Betroffene überhaupt keine Furcht, insbesondere nicht vor wirklichen Gefahrenquellen wie etwa einer heißen Herdplatte. Ein Betroffener kann auf einer hohen Mauer balancieren, ohne sich darüber bewusst zu werden, dass er stürzen und sich dabei schwer verletzen kann.<br />
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Einfache Empfindung und Wahrnehmung<br />
Manche Dinge nimmt ein Betroffener lieber durch Berührung wahr oder durch Geschmack und Geruch. Das heißt: Menschen werden betastet, es wird an ihnen gerochen und - was für fast die meisten Menschen am unverständlichsten ist - mit der Zunge beleckt. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Gegenstände aller Art. Auch wenn wir uns wiederholen, ein solches Verhalten trifft nicht auf alle autistisch behinderten Menschen zu.<br />
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Mechanisches Gesamtverhalten<br />
Ist Ihnen schon einmal an einem anderen Menschen eine robotergleiche Gangart aufgefallen oder eine mechanisch wirkende Armbewegung? - Es könnte sich dabei, vorausgesetzt, dass dieser Jemand noch andere seltsame Auffälligkeiten aufweist, um einen Autisten handeln.]]></content:encoded>
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			<title><![CDATA[World Autism Awareness Week 2020 April.2]]></title>
			<link>https://www.autism4all.at/showthread.php?tid=18</link>
			<pubDate>Sat, 11 Apr 2020 20:13:01 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.autism4all.at/member.php?action=profile&uid=1">Andi</a>]]></dc:creator>
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			<title><![CDATA[Formen des Autismus]]></title>
			<link>https://www.autism4all.at/showthread.php?tid=17</link>
			<pubDate>Mon, 06 Apr 2020 22:17:50 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://www.autism4all.at/member.php?action=profile&uid=1">Andi</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<a href="https://www.autism4all.at/datein/autism_formen.mp4" rel="noopener" class="mycode_url">https://www.autism4all.at/datein/autism_formen.mp4</a>]]></description>
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